Planet A – Ein Klimawandel-Tuch

Ein Knit-Along mit Susanne Sommer (SOSUknits)

Das vergangene Jahr war in vielen Ländern Europas eines der heißesten Jahre der Messgeschichte - ein Satz, den man mittlerweile fast schon jedes Jahr zu Jahresende liest. Wir wissen es alle, ja, das Klima ändert sich - aber wie sehr eigentlich? Genau das wollen wir in unserem Knit-Along herausfinden. Susanne Sommer (SOSUknits) hat ein Design entworfen, mit dem wir den Klimawandel ganz konkret visualisieren und in einem tragbaren Accessoir festhalten können. Damit auch die Häkler*innen unter euch mitmachen können hat Horst Zechmeister Susannes Design als Häkelanleitung adaptiert. Monat für Monat stricken oder häkeln wir damit nach, um wieviel Grad es 2023 an unserem Wohnort wärmer als im langjährigen Mittel ist. Das Tuch oder der Schal zeigen also am Ende nicht, wie heiß oder kalt es zu bestimmten Zeitpunkten in dem Jahr war, sondern um wieviel wärmer (oder kälter, auch das kommt vor) als z.B. in den letzten 30 Jahren. Hier kommt ihr direkt zur Strickanleitung auf Ravelry, der Link zur Häkelanleitung folgt in Bälde.

Wie funktioniert das?

Um Mitzumachen braucht ihr Daten zur Temperatur in eurem gewählten Ort, und zwar die Durchschnitts-Temperatur des jeweiligen Monats (also z.B. Dezember 2022) und die Durchschnitts-Temperatur im langjährigen Mittel. Die Differenz dieser beiden Zahlen ist die Abweichung vom langjährigen Mittel, die wir dann in Farbe "übersetzen". Die Durchschnitts-Temperatur in Wien lag beispielsweise im Dezember bei 2,5°C, das langjährige Mittel (1961-1990) bei 1,3°C. Der Dezember war also um 1,2 Grad wärmer als in der Vergleichsperiode. Damit das ganze auch in Wolle umsetzbar ist, runden wir die Dezimalstellen auf 0,5 auf oder ab - in unserem Beispiel also auf 1,5°C.

Wolle und Farbpalette

Jetzt kommt der lustige Teil: Wir haben den Temperatur-Bereich zwischen -2 und +5 Grad in 0,5-Grad-Schritte eingeteilt und den verschiedenen Temperaturen Farben zugeordnet. Susannes Anleitung kommt in zwei Farbvarianten: einmal "klassisch", wo die kühlen Farben von Blaugrün zu Helltürkis und die warmen von Gelb über Orange zu Rot gehen. In der zweiten Palette gehen die warmen Töne ins Rosa-Pink-Magentafarbige und die kühlen Töne sind Grün. Aber hier könnt ihr natürlich auch ganz euren eigenen Farbvorlieben folgen oder schauen, was euer Wollvorrat hergibt. Sinnvoll ist es, wenn rund um die Null Grad eher blasse Farben vorherrschen und die Farbintensität dann nach außen hin immer stärker wird. Und wenn ihr einen sehr weit nördlich oder südlich gelegenen Ort dokumentieren wollt, kann es sein, dass ihr die Temperaturschritte adaptieren müsst. Die Klima-Erwärmung betrifft ja die Arktis und Antarktis ganz besonders, und Zeiten, wo es 20° mehr hat als im langjährigen Mittel, können immer wieder mal vorkommen. Falls ein Monat mehr als fünf Grad zu warm ist, schlagen wir vor diesen Monat in Schwarz zu stricken.

Die Anleitung ist für die Spindrift von Jamieson's of Shetland geschrieben, aber natürlich könnt ihr auch jede andere Wolle in der Stärke Fingering weight verwenden. Oder auch ganz was anderes, das Tuch wird dann einfach größer oder kleiner.

Die Anleitung beinhaltet zwei Farbtabellen für unsere beiden Paletten - es gibt da aber auch Platz, eure eigene Farbpalette einzutragen. Außerdem hat Susanne eine super übersichtliche Tabelle erstellt, in die ihr die Temperaturen, Temperaturdifferenzen und korrespondierenden Farben eintragen könnt.

Die Wetterdaten

So kommt ihr an die Wetterdaten: Für Österreich bereitet die Zentralanstalt für Meteorologie ZAMG die Daten sehr übersichtlich auf und zeigt auf ihrer Website unter dem Punkt Klimamonitoring die monatlichen Daten für die einzelnen Wetterstationen sowie den langfristigen Mittelwert für das jeweilige Monat. Dabei sind zwei Vergleichsperioden auswählbar, nämlich 1961-1990 oder 1991-2020. Für Deutschland - und für ausgewählte Städte auch weltweit - hat der Deutsche Wetterdienst DWD eine Tabelle mit der Abweichung vom langjährigen Mittel erstellt. Auch das findet ihr in Susannes Anleitung noch genauer beschrieben.

Mitmachen

Die Strick-Anleitung inklusive Info-Dokument zu den Daten gibt es in Susannes Ravelry-Store. Die Häkel-Anleitung erscheint demnächst ebenfalls auf Ravelry. Losgestrickt oder -häkelt wird dann Anfang Februar, sobald die Daten zum Jänner vorliegen. Bis Ende Jänner gibt es Susannes Anleitung zum halben Preis, und wenn ihr die Wolle für das Tuch bei uns kauft (gerne auch nicht alles auf einmal), kriegt ihr einen Rabatt-Code, der noch länger gilt - danke Susanne!

Die ZAMG-Daten für Wien werde ich jedes Monat für das Vormonat verschicken und hier auf die Website stellen; wenn ihr also auch zum Klimawandel in Wien strickt/häkelt, braucht ihr euch um die Daten gar nicht selber kümmern. Außerdem stricken/häkeln wir natürlich auch selber mit! Meinen eigenen Fortschritt werde ich laufend dokumentieren und wir laden euch ein, das ebenfalls zu tun. Unter den Hashtags #KlimawandelTuch, #KnitPlanetA und #CrochetPlanetA könnt ihr auf Instagram eure laufenden Projekte zeigen (und uns unter #wollhabitat, #SOSUknits und #queermaschen taggen). Außerdem gibt es einen Thread in Susannes Ravelry-Gruppe, wo wir uns austauschen können. Weitere Updates und Informationen findet ihr auch immer im Woll-Habitat-Newsletter (Anmeldung per e-mail an wolle-@-woll-habitat.at) sowie hier auf der Website.

Auf geht's! Klimawandel sichtbar machen, drüber reden, und Veränderungen anregen und umsetzen! We can do this!

Workshops und mehr

Im Woll-Habitat finden regelmäßig Strick-Workshops, aber auch andere Events statt. Nähere Informationen findet ihr in unserem Event-Kalender.

zu den Events